Im September habe ich dich und viele andere gefragt, ob ihr euren Garten anderen Menschen zeigt. 37 Menschen haben geantwortet, 35 davon haben einen eigenen Garten. Ihre Antworten haben mich überrascht, und einige haben mich berührt.
Das Wichtigste in Kürze
Meine Umfrage „Zeigst du deinen Garten?“ mit 35 Gartenbesitzer:innen im Herbst 2026:
Nur 4 von 35 empfinden ihren Garten als fertig.
Trotzdem zeigt die Hälfte ihn sehr gern, auch unfertig.
Nur 3 haben jemals Besuch verschoben, weil der Garten nicht gut genug schien.
Am liebsten versteckt werden Kompost, Schuppen und Lagerecken.
Mein Fazit: Dein Garten muss nicht fertig sein, um ihn zu zeigen, auch nicht bei der Offenen Gartenpforte.
So habe ich gefragt
Die Umfrage lief von Ende September bis Anfang Oktober 2026 über ein Online-Formular. Sie bestand aus Fragen mit Antwortskalen von 1 bis 5, Auswahlfragen und offenen Fragen, in denen ihr frei erzählen konntet.
Von den 35 Teilnehmenden mit Garten haben 32 einen Hausgarten und 3 einen Klein- oder Pachtgarten. Die meisten gärtnern schon lange: 16 seit über 20 Jahren, 8 seit 11 bis 20 Jahren.
Eine ehrliche Einordnung: Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Geteilt habe ich sie in meinem Umfeld und in zwei Gartengruppen auf Facebook, einige haben sie an Bekannte weitergeleitet. Wer dort mitliest, begeistert sich meist für Gärten. Die Zahlen zeigen deshalb ein Stimmungsbild aus dieser Gruppe, keine allgemeine Wahrheit über alle Gartenbesitzer:innen.
Fast kein Garten ist fertig
Ich habe gefragt, wie fertig sich dein Garten für dich anfühlt, auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 5 (ganz fertig).
- 16 Menschen haben die 3 gewählt, die Mitte.
- 22 von 35 liegen bei 3 oder darunter.
- Nur 4 sagen, ihr Garten fühlt sich fertig an.

Der Durchschnitt liegt bei 3,3. Und das, obwohl zwei Drittel ihren Garten seit über zehn Jahren haben.
Für mich ist das eine gute Nachricht. Ein Garten wächst, verändert sich und antwortet dir jedes Jahr anders. Eine Teilnehmerin hat es so beschrieben: Wie man zu seinem Garten steht, sei ein Prozess, der sich über viele Jahre verändert. Die Umfrage zeigt nur den Moment.
Die Hälfte zeigt ihren Garten trotzdem sehr gern
Auf die Frage, wie gern du deinen Garten anderen zeigst, haben 17 von 35 die Höchstwertung 5 gegeben. Der Durchschnitt liegt bei 4,0. Nur eine Person hat einen Wert unter 3 gewählt.

Besonders aufschlussreich finde ich diese Zahl: Von den 17, die ihren Garten am liebsten zeigen, empfinden 8 ihn selbst als halb fertig oder weniger. Sie zeigen ihn trotzdem gern.
Die Gärten werden auch gesehen. 26 von 35 hatten in diesem Jahr Besuch von Menschen außerhalb der Familie und der engsten Freund:innen. 25 haben in den letzten zwölf Monaten Fotos ihres Gartens geteilt, etwa im WhatsApp-Status oder auf Instagram.
Zu Besuch kommen vor allem Freund:innen (26 Nennungen) und Familie (25). Nachbarschaft sowie Kolleg:innen und Bekannte folgen mit je 17 Nennungen. Acht Menschen öffnen ihren Garten auch für Fremde, zum Beispiel bei offenen Gärten.
Jürgen Neussel betreibt den „Wilden Wassergarten“ in Battenberg und organisiert die Offenen Gärten Waldeck-Frankenberg mit. Seine Antwort war kurz: „je mehr Menschen den Garten besuchen, um so besser“ (naturalstil.de).
Und manchmal kommt der Besuch ganz unverhofft. Eine Teilnehmerin erzählt vom Briefzusteller, der im Sommer zum ersten Mal hinter ihr Haus kam und überrascht war, wie schön es dort ist. Sie schreibt dazu: „ich war schon etwas stolz!“
Was hält Menschen davon ab, ihren Garten zu zeigen?
Die Hälfte sagt: nichts. 18 von 35 haben auf meine Frage geantwortet, dass sie nichts abhält und sie ihren Garten gern zeigen. Bei den anderen verteilt es sich so:
- 6 sind selbst noch nicht zufrieden mit ihrem Garten.
- 4 hätten das Gefühl, ihren Garten erklären zu müssen.
- 5 sehen ihn als Rückzugsort, möchten ihn eher für sich behalten oder selbst bestimmen, wer ihn sieht.
- 1 Person hat das Gefühl, vorher noch Arbeit hineinstecken zu müssen.

Abgesagt wird Besuch selten. 3 Menschen haben schon einmal Besuch verschoben, weil ihnen der Garten nicht gut genug erschien. 7 weitere haben zumindest daran gedacht. 25 haben das noch nie getan.
Das Erklären taucht in den offenen Antworten immer wieder auf. Eine Teilnehmerin schreibt über ihren großen Garten im Wald: „Ich denke immer, ich muss den aktuellen Zustand des Garten rechtfertigen und betone immer, dass er noch lange nicht fertig ist.“
Brigitte kennt dieses Gefühl. Ihr Sohn hat seine Freundin begeistert durch den Garten geführt, während sie noch in der Küche stand und dachte, dass doch gerade so viel nicht gepflegt sei. Ihre Erfahrung danach: „Interessanterweise haben die Menschen NIE die unfertigen oder verunkrauteten Stellen gesehen.“ Die Besucher:innen sprachen über die Sitzplätze, die Stauden und den weiten Blick ins Land (brigitte-elisabeth-meyer.de).
Antje Müller führt ehrenamtlich durch ihren Garten. Sie kennt ihre Baustellen und hat eine klare Haltung dazu: Sie entschuldigt sich für nichts. Viele andere täten das in dieser Situation, schreibt sie.
Eine Antwort hat mich besonders berührt. Eine Teilnehmerin vergleicht das Zeigen ihres Gartens damit, als würde sie jemandem ihr Tagebuch zu lesen geben. Sehr persönlich und verletzlich. Sie besucht gern andere Gärten, beim eigenen ist sie schüchtern. Am meisten genießt sie ihren kleinen geheimen Garten, einen Ort, an dem sie nicht bewertet wird. Solange der Zaunkönig sich wohlfühlt und morgens für sie singt, sei alles gut.
Zwei Menschen haben noch einen ganz anderen Grund genannt: die Sorge, dass Fremde bei offenen Gärten nicht wegen der Pflanzen kommen, sondern um für einen Einbruch auszuspähen.
Ein Satz, den niemand hören mag
In den freien Antworten kam ein Kommentar von Besucher:innen immer wieder vor: „Da hast du aber viel Arbeit.“ Mehrere Teilnehmer:innen haben ihn genannt, und niemand hat ihn als Kompliment verstanden.

Tina gärtnert mit vielen Wildblumen, die nicht immer dort aufgehen, wo sie sie gern hätte. Sie schreibt: „Ein sehr unbeliebter Satz bei mir ist, oh da hast du ja noch viel Arbeit!“ Pflanzenkundige Besucher:innen seien dagegen begeistert, was man bei ihr alles finden kann.
Sonja nervt der Satz ebenfalls. Sie hat eine schöne Antwort darauf gefunden. Sie sagt ihren Gästen: Geht allein durch den Garten und setzt euch auf die verschiedenen Plätze. Dann verschwindet der Straßenlärm, ihr hört nur noch die Vögel und spürt die Natur.
Nadja erinnert sich an eine Bekannte, die fragte, ob es sie nicht stresse, dass man im Beet gar keine Erde sieht. Nadja musste lachen. Sie schreibt: „Nein, mich stresst viel offene Erdfläche, da sehe ich kreatives Pflanzpotenzial!“
Natürlich gab es auch verletzende Rückmeldungen. In einem Kleingarten hieß das Urteil: „Das wird ja alles Nix.“ Eine andere Teilnehmerin hat von harter Kritik aus dem engsten Freundeskreis erzählt. Den Großteil der Rückmeldungen beschreiben die Teilnehmenden aber als freundlich, bewundernd oder neugierig. Katrin hat beim Sommerfest ihrer Schwester bis in die Nacht Gäste durch den neu angelegten Bauerngarten geführt. Die Nachbarin meinte danach, da bräuchte sie gar nicht mehr zur Landesgartenschau zu fahren.
Die Ecken, die wir lieber nicht zeigen
Ich habe gefragt, ob es eine Stelle gibt, die du Besuch lieber nicht zeigst. Zehn Menschen haben klar mit Nein geantwortet.
Bei den anderen wurden am häufigsten Lager- und Arbeitsecken genannt: der Kompost, der Schuppen, die Ecke mit den Gartenabfällen, ein „Wertstoffhof“ mit Steinen und alten Gehwegplatten. Nadja zeigt ihr Gartenhaus nur von außen, drinnen herrsche der Chaosteufel.
Danach folgen Ränder mit Wildwuchs, etwa zum Feld oder zum Nachbargrundstück, und Bereiche, die nach dem trockenen Sommer gelitten haben. Zwei nennen Pflanzen, die noch in Töpfen auf ihren Platz warten.
Eine Teilnehmerin hat einen Bereich bewusst für sich behalten. Er gehört ungestört der Natur.
Für wen wir gestalten
Diese Frage habe ich erst nach dem Start in die Umfrage aufgenommen, deshalb haben sie 26 Menschen beantwortet.
14 von 26 sagen, dass sie ihren Garten auch oder nur für sich selbst gestalten. 10 davon kreuzten ausschließlich diese Antwort an. Die Hälfte nennt Partner:in oder Familie im Haushalt. Erwartungen aus der Nachbarschaft spielen nur für 4 eine Rolle.
Auf die Frage, wie stark sich jemand nach den Erwartungen von Nachbar:innen oder Familie richtet, haben 12 von 26 die 1 gewählt, also gar nicht. Der Durchschnitt liegt bei 2,0.
Eine Teilnehmerin hat eine kritische Rückmeldung gegeben, die ich wichtig finde. Ihr kamen meine Fragen so vor, als müsse man sich für etwas an seinem Garten schämen. Sie kenne Anfeindungen aus der Nachbarschaft wegen hoher Bäume und „Unkraut“, und es sei ihr egal. Ihr Garten ist über Jahrzehnte zu einem Lebensraum für heimische Wildtiere geworden, und den zeigt sie gern.
Sie hat recht. Viele Antworten zeigen gelassenen Stolz statt Scham.
Was ich daraus mitnehme
Was hier folgt, ist meine persönliche Einschätzung, keine Auswertung.
Fertig wird ein Garten wohl nie, und das ist auch nicht nötig. Die Menschen, die ihren Garten am liebsten zeigen, haben nicht den fertigsten Garten. Sie haben Orte darin, auf die sie stolz sind: eine Terrasse, an der sie selbst gebaut haben, einen Teich, eine Sitzecke mit Blick ins Land. Eine Teilnehmerin aus einem Reihenmittelhaus erzählt, dass ihre Kolleginnen den Vorgarten gar nicht beachtet, aber ihren Rückzugsort hinter dem Haus bewundert haben.
Genau das erlebe ich auch in meinen Gartenberatungen. Ein Garten muss nicht überall gleich weit sein. Wenn du einen Lieblingsort hast, der zu dir passt, trägt er den Rest mit. Dann schaut dein Besuch dorthin und nicht auf den Kompost. Wie du solche Orte für dich findest, liest du in Lieblingsorte im Garten: Wie du die Orte findest, die wirklich zu dir passen.
Und wenn das nächste Mal jemand sagt „Da hast du aber viel Arbeit“, nimm dir Sonjas Idee mit: Lade ihn ein, sich hinzusetzen und zuzuhören.
Warum es sich lohnt, deinen Garten zu öffnen
Ein Satz begleitet mich schon lange: Ein Garten möchte gesehen werden. Das ist meine persönliche Überzeugung, kein Ergebnis der Umfrage. Ein Garten entfaltet sich, wenn Menschen durch ihn gehen, stehen bleiben und staunen.

Wie sich das anfühlt, habe ich in diesem Jahr selbst erlebt. Am 30. und 31. Mai 2026 hat meine Kundin Simone Wittkamp die Nouvabrik bei der Offenen Gartenpforte Hessen geöffnet. Das ehemalige Fabrikgelände wird Schritt für Schritt naturnah umgestaltet. Simone hat sich bereit erklärt, den Teil zu zeigen, der bereits umgesetzt ist. Ich war aufgeregt. Ich wusste nicht, was die Besucher:innen sagen würden und wie viele kommen würden. Und ich fragte mich, ob wir den Besuch gut bewältigen.
Dann verflog die Zeit. Es kamen Fremde und Menschen aus unserem Umfeld. Die Einträge im Gästebuch haben mich überwältigt.

Sicher hat der Garten nicht allen gefallen. Wer Kritik hatte, hat sie für sich behalten. Deshalb habe ich einen Besucher ausdrücklich um eine kritische Rückmeldung gebeten. Er sagte, das sei kein typischer Privatgarten, wie er ihn kenne. Für seinen Geschmack sei er etwas zu wild, es gebe keine Rosenbögen und keine fest gemauerten Sitzbereiche.
Mit dieser Rückmeldung kann ich gut leben. Sie zeigt mir, wie unterschiedlich die Bilder sind, die wir von einem Garten im Kopf und im Herzen tragen. Jeder Mensch ein Unikat. Jeder Garten auch. Wie du deinen eigenen Stil findest, liest du in Wie du deinen persönlichen Gartenstil findest.
Auf der anderen Seite der Pforte
Im Juni war ich dann selbst Besucherin. An einem Wochenende habe ich mit Gartenfreund:innen offene Gärten in und um Marburg besucht. Wir saßen auf Gartenbänken, haben die Fülle der Farben und Blüten genossen und über Pflanzen gefachsimpelt. Und ich habe unzählige Fotos zur Inspiration gemacht.
Von diesen Bildern zehre ich im Winter. Wenn die Tage grau und dunkel sind, scrolle ich durch meine Fotos und sauge die leuchtenden Farben in mich auf. Ein bisschen wie Frederick, die Maus aus dem Bilderbuch von Leo Lionni. Während die anderen Mäuse Körner und Nüsse für den Winter sammeln, sammelt Frederick Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Als der Winter lang wird, teilt er sie mit seiner Familie.






Wer den eigenen Garten öffnet, schenkt anderen genau solche Vorräte. Wie inspirierend ein solcher Rundgang ist, habe ich schon 2025 erlebt. Davon erzähle ich in Offene Gartenpforte: Inspiration durch Vielfalt.
Wie du deinen Garten bei der Offenen Gartenpforte zeigst
Offene Gartenpforten gibt es in ganz Deutschland. Die Gruppen arbeiten regional und eigenständig, eine zentrale Anmeldung gibt es nicht. Hier findest du die Gruppe in deiner Nähe:
- Gartenlinksammlung: Eine große Übersicht der regionalen Initiativen, sortiert nach Postleitzahlen, auch mit Gärten in Nachbarländern. Sie verlinkt direkt zu den einzelnen Regionen. Nicht jeder Link dort ist aktuell, schau im Zweifel direkt bei der Gruppe nach. gartenlinksammlung.de
- Offene Gartenpforte Hessen in Marburg und Umgebung (früher „Gärten für Zaungucker“): Hier war auch die Nouvabrik dabei. Die Gruppe organisiert sich gerade neu, eine neue Website gibt es noch nicht. Sobald die aktuellen Informationen da sind, veröffentliche ich sie hier.
- Gesellschaft der Staudenfreunde: Mitglieder öffnen ihre privaten Gärten, sortiert nach Postleitzahl-Bereichen. gds-staudenfreunde.de
- Naturgarten e.V.: Der Verein lädt bundesweit zur Offenen Naturgartenpforte ein. Wilde Gärten: Offene Naturgartenpforte
Jede Gruppe handhabt die Anmeldung anders. In manchen Regionen endet die Anmeldung schon im Frühjahr. Für die nächste Saison laufen jetzt die Vorbereitungen. Erkundige dich deshalb schon jetzt und frag bei deiner Gruppe an.
Dein Garten muss dafür nicht fertig sein. Du kannst auch nur einen Teil zeigen, so wie Simone. Und wenn dich die Sorge um ungebetene Gäste beschäftigt, die zwei Teilnehmer:innen genannt haben, sprich sie bei der Gruppe offen an.
Ich würde mich freuen, im nächsten Sommer auf deiner Gartenbank zu sitzen.
Danke an alle, die sich die Zeit genommen und so offen erzählt haben. Wenn du mehr über die Gestaltung deines eigenen Lieblingsorts erfahren möchtest, lies gern meine Flower Power Gartenpost.
Herzlichst, deine Sadhana 💚

Wer schreibt hier? Seit über 15 Jahren begleite ich Menschen dabei, ihren Garten bewusst zu entwickeln. Nicht nach Trends, sondern nach dem, was wirklich zu ihnen passt. Dabei konzipiere ich Gärten, die langfristig funktionieren: klimafit, pflegeleicht und mit Persönlichkeit.
Meine Überzeugung: Ein Garten ist kein Dekorationsprojekt. Er ist ein Dialog zwischen dir und der Natur. Du gibst die Richtung vor, die Natur antwortet. Daraus entsteht dein einzigartiger Lieblingsort.
Wenn ich nicht gerade Pflanzpläne zeichne oder in der Erde buddel, findest du mich beim Yoga, auf Reisen oder tanzend auf einem Festival.



