Zu Besuch bei Heinz und Kim: ein Garten bei Nacht voller Magie

Zu Besuch bei Heinz und Kim: ein Garten bei Nacht voller Magie

Zwei Menschen, ihre Gartenleidenschaft und die Hingabe an das Gestalten

Heinz und Kim leben für das Gestalten. Für die beiden ist es eine Lebenshaltung, keine Freizeitbeschäftigung: Wohnung und Garten folgen denselben Prinzipien, und beides bleibt ein Werk, das nie ganz fertig wird. Man sieht es ihrer Wohnung an, man sieht es ihrem Garten an, und man merkt es an der Art, wie sie über beides sprechen. Ihr Zuhause in Marburg ist kein fertiges Objekt, sondern ein fortlaufendes Werk, an dem sie seit Jahren arbeiten. Fast jedes Stück erzählt eine eigene Geschichte. Und ihr Garten bei Nacht erzählt noch einmal eine andere. Eine davon beginnt mit einem Lastwagen, der nie ankam.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Garten bei Nacht wird magisch durch wenig, gezielt gesetztes Licht: ein angestrahlter Baum, leuchtende Kugeln aus Metall, Laternen mit Kerzen. Heinz und Kim in Marburg zeigen, wie das aussieht.
Drinnen und draußen folgen denselben Prinzipien: ein Element, das sich wiederholt, eine Blickachse, ein Ausschnitt, der gefasst wird.
Eigene Hände statt Auftrag: Die Dachterrasse kostete rund 1.000 Euro Material statt 8.000 Euro beim Schreiner.
Der Hanggarten wurde vor etwa 150 Jahren terrassiert. Kim bepflanzt ihn in Räumen und sucht seit Langem das richtige Blau.

Kim und Heinz mit einem Hirschkäfer auf der Hand in ihrem Garten
Kim und Heinz mit dem Hirschkäfer, einem liebenswerten Bewohner ihres Gartens.

Ein Lastwagen, der umkehren muss

In der Oberstadt von Marburg ist nichts einfach zu liefern. Die Stadt stammt aus dem Mittelalter, die Gassen sind eng, der Autoverkehr war hier schon immer ein Problem. Als Heinz und Kim die neuen Platten für ihre Dachterrasse erwarteten, wurde ausgerechnet zur selben Zeit die Straße vor ihrer Tür erneuert. Für alle, die dort wohnen, war das eine erhebliche Belastung. Für die Anlieferung war es das Aus.

Der Spediteur kam mit einem 40-Tonner samt Anhänger, vermutlich aus den Niederlanden. Er war quer durch Deutschland gefahren und hatte unterwegs an vielen Orten Ware abgeladen. Marburg war die letzte Station. Hier scheiterte er. Mit einem solchen Gespann sind die Straßen der Oberstadt nicht zu befahren. Der Fahrer stand mit seinem Anhänger in der Ketzerbach, kam keinen Meter weiter und musste umkehren. Erst am nächsten Tag, mit einem kleineren Fahrzeug und mit der Unterstützung eines Nachbarn, kam die Lieferung an.

Diese Episode sagt viel über den Ort, an dem die beiden leben. Und sie sagt etwas über die beiden selbst. Wo andere aufgeben, suchen sie einen Weg.

Achttausend oder eintausend

Die Platten waren nötig geworden, weil die Holzbohlen der Dachterrasse morsch waren. Eine neue Lösung musste her. Ein Schreiner machte ein Angebot über 8.000 Euro. Heinz und Kim entschieden anders. Statt 8.000 Euro für den Schreiner zahlten sie rund 1.000 Euro für Material und machten den Rest selbst. Das Ergebnis ziert heute die Terrasse, mit Blick auf die Elisabethkirche und den Kaiser-Wilhelm-Turm.

Blau-weiße Terrassenfliesen auf Stelzlagern, eine Platte hochgenommen
Die Fliesen für die Dachterrasse in Eigenleistung: statt 8.000 Euro nur rund 1.000.

Darin liegt ihr Prinzip. Hoher Anspruch, eigene Hände, und kein Geld für etwas, das man selbst sorgfältiger hinbekommt. Die zweite Außenfläche ihrer Wohnung ist kein klassischer Wintergarten, eher ein offener Wind- und Regenschutz. An manchen Abenden sitzen die beiden hier, während es ringsum gewittert, die Blitze zucken über der Stadt, und sie bleiben gemütlich beim Glas Wein.

Blick von der Dachterrasse über Marburg zur Elisabethkirche und zum Kaiser-Wilhelm-Turm
Von der Dachterrasse der Blick auf die Elisabethkirche und den Kaiser-Wilhelm-Turm.

Eine Wohnung, von Grund auf neu gedacht

Die Wohnung liegt in einem Fachwerkbau. Früher lagen die Empfangsräume unten, gewohnt wurde darüber, ganz oben gab es einen Trockenboden und ein Mädchenzimmer. Jede Ebene hatte ihre eigene Aufgabe, und genau diese Funktionen mussten neu verteilt werden: das Repräsentative eines solchen Hauses, das Gemütliche und das Praktische.

Heinz und Kim haben den Grundriss geöffnet. Wo zwei Türen in einer Wand saßen und man durch einen schmalen, fast klaustrophobischen Schlauch gehen musste, weitet sich heute der Raum. Sie nahmen eine Wand heraus und zogen einen großen Balken ein, damit die Öffnung trägt. Aus einem finsteren Zimmer mit nur einem Fenster wurde ein heller Raum, weil sie die alte Terrassentür versetzten und die Wand mit Türanlagen nach außen öffneten. In die Mitte kam der Esstisch. Sie essen gern, sie haben gern Besuch, also wurde der Tisch zum Zentrum des Hauses.

Das Haus von Kim und Heinz mit Wintergarten und Garten
Das Haus von Kim und Heinz. Von ihrem Wintergarten aus blickt man auf das neu gestaltete Gartenbeet.

Drei Säulen aus einer Anzeige

Drei echte Gründerzeitsäulen stehen heute in der Wohnung. Heinz entdeckte sie bei eBay, lange bevor klar war, dass die beiden diese Wohnung überhaupt bekommen würden. Drei Gründerzeitsäulen, dachte er, kann man immer einmal gebrauchen, und schlug zu. Der Verkäufer handelte sonst mit Elektronikschrott. Er wusste nicht, was er da hatte. Deshalb waren die Säulen bezahlbar.

Das Motiv der Säule kehrt in der gesamten Wohnung wieder. Es findet sich am Kamin, der zum zentralen Blickpunkt des Raums geworden ist. Es taucht an der Terrassentür auf und wurde später an allen Fenstern aufgegriffen, als diese erneuert wurden. Selbst aus der Badewanne blickt man auf drei Säulen. Im Spiegel über dem Kamin findet sich das Weiß des Raums in den Säulen wieder. So entsteht aus einem einzigen Element ein roter Faden, der die Wohnung zusammenhält.

Der Blick für das Stück

Heinz und Kim sammeln nicht wahllos. Sie haben einen Blick für das einzelne Stück und für den Ort, an den es gehört. Die Treppe stammt aus dem Westen des Piemont und ist rund zweihundert Jahre alt. Sie wirkt, als sei sie immer hier gewesen, dabei ist sie deutlich älter als das Haus, in dem sie heute steht.

Venezianischer Brunnenstein mit Rosenbogen und blauem Rittersporn vor dem Haus
Ein venezianischer Brunnenstein, umrankt von Rosen und blauem Rittersporn.

Manches hat Heinz auf einem Brocante (Trödel- oder Antikmarkt) in Frankreich gefunden, und es passt zu den Messingdetails, die das Haus ohnehin prägen. Auch am Olivenbaum auf der Terrasse zeigt sich, mit wie viel Liebe und Aufmerksamkeit die beiden die Dinge um sich herum behandeln. Sie kauften ihn 2003. Über die Jahre haben sie die Triebe heruntergebunden, eine Grundstruktur geschaffen und den Baum seither auf diesem Niveau gehalten. Das Prinzip ähnelt dem Bonsai. So werden die Stämme mit der Zeit knorrig, wie man es von den sehr alten Olivenbäumen auf Mallorca kennt.

Warum nichts je ganz fertig wird

Wer durch die Wohnung geht, merkt schnell, dass dies keine Ausstellungsfläche ist. Es ist ein bewohnter Raum, der nach und nach zusammenwächst. Manches ist noch nicht fertig. Eine Tür fehlt, ein Durchbruch ist noch geplant, ein Detail wartet auf den letzten Schliff. Heinz und Kim sehen das gelassen.

Darin liegt eine Haltung. Sie unterscheiden zwischen einer Wohnung, in der jeder Türgriff und jede Lampe vorgegeben sind, und einem Zuhause, das mit den Menschen wächst, die darin leben. Sie wollen den Raum für das Eigene, für das, was über die Zeit entsteht. Ihnen ist das Werden lieber als der Endzustand. Und der Endzustand wäre ohnehin der Moment, in dem man ausziehen müsste.

Warum wirken Wohnung und Garten wie aus einem Guss?

Weil Heinz und Kim an beiden Orten mit denselben Mitteln arbeiten: Wiederholung, Rahmen, ein wiederkehrendes Element. Ein Detail bringt diese Sprache auf den Punkt. Der Kamin ist ein Rahmen aus Säulen, und der Spiegel darüber rahmt ihn ein zweites Mal. Rahmen im Rahmen, Säule neben Säule. Wer das einmal bemerkt hat, erkennt dasselbe Prinzip im Garten wieder: eine Blickachse, die das Auge führt, ein Element, das sich wiederholt, ein Ausschnitt, der gefasst wird.

Heinz und Kim arbeiten an beiden Orten mit denselben Mitteln. Drinnen sind es Säulen, Messing und alte Hölzer, draußen sind es Hecken, eine Pergola und das wiederkehrende Blau. In beiden Fällen geht es darum, einen Ort so zu fügen, dass er ruhig wirkt und trotzdem lebendig bleibt. Man betritt einen Raum oder einen Garten und fühlt sich wohl, ohne sofort sagen zu können, warum. Genau das ist das Ergebnis vieler kleiner, bewusster Entscheidungen über Jahre.

PrinzipDrinnenDraußen
Ein Element wiederholt sichSäulen am Kamin, an Terrassentür, Fenstern, Badewannedas wiederkehrende Blau
Rahmen im RahmenSpiegel rahmt den Kamin aus SäulenBlickachse, ein gefasster Ausschnitt
Material mit GeschichteMessing, alte Hölzer, GründerzeitsäulenHecken, Pergola, Rambler-Rosen
Üppige rosa Rosen vor dem Haus mit blaugrünen Fensterläden
Üppige Rosen vor dem Haus.

Der Garten am Hang

Der Garten liegt am Hang. Vor etwa hundertfünfzig Jahren wurde er terrassiert; was zuvor ein steiler Abhang war, wurde Schicht für Schicht aufgeschüttet. Beim Graben kommen bis heute Tonscherben aus der Erde. Die früheren Besitzer hatten sie von örtlichen Töpfern gekauft und einfach mit in den Boden eingearbeitet.

Terrassiertes Steinbeet mit blau blühender Katzenminze
Das terrassierte Steinbeet mit blauer Katzenminze.

Kim plant den Garten in Räumen. Entlang einer Doppelreihe von Stangen soll eine Hecke aus möglichst heimischen Sträuchern wachsen, dazwischen vielleicht die eine oder andere Rose. Dahinter verschwindet der Grünschnittplatz. Eine Pergola ist vorgesehen, eine klassische italienische Form aus Querbalken mit Reitern, offen genug, dass Rambler-Rosen darüber wuchern können. Sie soll den Gartenraum zum Nachbargrundstück hin fortsetzen. Unter dem Kirschbaum entsteht ein weiterer Sitzplatz, von dem aus der Blick über das Blau der Pflanzungen auf das Haus fällt.

Die Pflanzen sind eine Leidenschaft für sich. Kim sucht seit Langem das richtige Blau. Ein blauer Enzianlauch (Allium caeruleum) stand im vergangenen Jahr in hundert Exemplaren auf einer Ebene, ein traumhaftes Bild, das sich aber nicht dauerhaft zu halten scheint und wohl nachgepflanzt werden muss. Das Patagonische Eisenkraut hat sich von selbst ausgesät.

Auf der mittleren Ebene wächst eine Katzenminze, die ungewöhnlich hohe Sorte ‚Pool Bank‘ (Nepeta grandiflora). Solange die großen Allium-Kugeln darüber blühen, ergibt das ein kräftiges Bild. An anderer Stelle wachsen Katzenminze ‚Superba‘ (Nepeta racemosa) und Bartfaden ‚Catherine de la Mare‘ (Penstemon fructicous) so üppig, dass sie überwuchern, was daneben steht; eine darunter verborgene Indianernessel muss gerettet werden, sonst überlebt sie nicht. Manches steht zu eng. Eine Blauraute (Perovskia atriplicifolia) müsste einen Meter weiter links stehen, dann käme sie zur Geltung. So lernt man mit der Zeit, wie viel Platz eine einzelne Pflanze am Ende wirklich braucht.

PflanzeBotanischIm Garten von Kim
Blauer EnzianlauchAllium caeruleumhundert Stück auf einer Ebene, hält sich nicht dauerhaft
Patagonisches EisenkrautVerbena bonariensishat sich selbst ausgesät
Katzenminze ‚Pool Bank‘Nepeta grandifloraungewöhnlich hoch, mittlere Ebene, mit Allium-Kugeln
Katzenminze ‚Superba‘Nepeta racemosawächst so üppig, dass sie Nachbarn überwuchert
Bartfaden ‚Catherine de la Mare‘Penstemonüberwuchert eine Indianernessel
BlaurautePerovskia atriplicifoliasteht zu eng, bräuchte einen Meter mehr nach links
WaldrebeClematisvertrocknet, bleibt als Gerüst stehen

Kim experimentiert, verschiebt und rettet, lässt aber auch das Vergängliche zu. Eine Waldrebe (Clematis) mit seinen vertrockneten Stängeln bleibt stehen, damit neue Triebe sich daran festhalten können. Das Frische neben dem Vertrockneten hat seinen eigenen Reiz. Kim will dem Garten nichts aufzwingen. „Mein Garten soll seinen Zauber entfalten dürfen“, sagt er.

Heinz bei der Gartenarbeit zwischen den Sträuchern
Heinz bei der Gartenarbeit.

Was macht einen Garten bei Nacht magisch?

Vor allem Licht, gezielt und sparsam gesetzt. Wer Heinz und Kim nur bei Tag erlebt, kennt nur die Hälfte. Ein weiteres Gestaltungsprinzip zeigt sich erst nach Sonnenuntergang: das Magische. Es entsteht vor allem durch Licht, und Kim spielt mit sichtbarer Freude damit. Seine Gartenbeleuchtung besteht aus mehreren LED-Strahlern und leuchtenden Kugeln aus Metall.

Wie das zusammenwirkt, zeigte Kims Geburtstag im Juli. Der Abend begann hell und festlich. Auf der Rasenfläche standen Tische mit weißen Tischdecken. In einem Pagodenzelt war das Buffet aufgebaut, daneben ein Stehtisch für den Sektempfang. Mit der Dunkelheit wandelte sich die Stimmung, und die zweite Inszenierung begann, die der Nacht. Das Haus strahlte in wechselnden Farben: mal in tiefem Blau, geheimnisvoll wie eine Szene aus einer anderen Welt, mal in Pink oder Gelb. Jede Farbe erzeugte eine andere Stimmung.

In diesem Spiel steckt etwas Kindliches im besten Sinn: die Freude, Momente zu inszenieren, und das Staunen darüber. Das Prinzip lässt sich benennen. Magisch ist kein Zufall. Wer den eigenen Garten magisch gestalten will, kann das als Wert festlegen und danach gestalten.

Mein Garten soll magisch sein

Ein magischer Garten ist ein Garten, der nach Sonnenuntergang eine zweite Gestalt bekommt: durch wenig, gezielt gesetztes Licht, durch Feuer, Gräser im Gegenlicht und Duft, der erst abends aufsteigt.

So fühlt es sich an: Dämmerlicht. Gräser leuchten im Gegenlicht. Die Nacht leuchtet. Funken steigen über der Feuerschale auf. Tautropfen wie Perlen am Morgen. Ein Duft, der erst nach Sonnenuntergang aufsteigt.

So baust du es in den Garten:

Zu diesem Abend gehört ein besonderer Ort: Heinz und Kims Gartenhaus. Das Wort trifft es nicht ganz, denn es ist ein kleines Fachwerkhaus, außen wie innen weit entfernt vom üblichen Geräteschuppen. Dort stehen drei Wohnzimmerschränke, zwei Antike und einer in Eiche rustikal. An einer Wand hängt das Werkzeug sauber geordnet. An der anderen steht eine ganze Wand voller Laternen in allen Größen, wie Nachtwächterleuchten, mit Kerzen darin. Zum Fest wurden einige nach draußen getragen und zwischen den Tischen verteilt. Das Ganze ist nonchalant eingerichtet, so wie ihre Wohnung. Dem Alltäglichen räumen die beiden ungern Zeit ein, und so steht das Werkzeug hier ganz selbstverständlich neben dem Schönen.

Fachwerk-Gartenhaus mit Kletterrosen und Sitzgruppen im Sommergarten
Kims Gartenhaus, ein kleines Fachwerkhaus mit Kletterrosen.

Über den Garten hinaus

Heinz und Kim sind Gemeinschaftsmenschen. Sie interessiert, wie andere es machen, und sie holen sich Anregung in fremden Gärten. Ein guter Anlass dafür ist die jährlich stattfindende Offene Gartenpforte, eine deutschlandweite, ehrenamtlich organisierte Veranstaltung, bei der Menschen ihre privaten Gärten für Besucher öffnen. Man geht nicht, um zu bewerten, sondern um zu schauen und ins Gespräch zu kommen.

Zu einer dieser Gartenpforten hatten Kim und Heinz sich mit mir verabredet. Es wurde ein wunderbarer gemeinsamer Tag, weil wir dieselbe Begeisterung teilen: für Garten und Natur, für Design und Fotografie. Zwei Bilder sind mir dabei gelungen: Auf dem einen steht Kim unter einem großen Bogen. Auf dem anderen sitzt Heinz am Teich, ruht sich aus und genießt den Moment. Als ich es einfing, sah es aus, als hätte Monet es gemalt.

Solche Momente zeigen, was diesen Garten über die Gestaltung hinaus ausmacht. Er ist nicht nur ein Werk, sondern ein Ort, an dem Menschen eine gute, erfüllende Zeit miteinander verbringen .

Fünfundzwanzig Jahre

Heinz und Kim sind seit fünfundzwanzig Jahren ein Paar. Wer ihnen im Garten begegnet, sieht zwei Menschen, die genau hinschauen. An einem der Tage fand Heinz einen Hirschkäfer, ein Weibchen. Die beiden betrachteten ihn lange und überlegten gemeinsam, wohin sie ihn setzen, damit er sich am wohlsten fühlt. „Unser Kind“, sagte Heinz. „An einer dunklen Stelle ist er besser geschützt als auf hellem Grund, wo er sofort gesehen wird.“ Also kam er dorthin.

Kim mit Strohhut am Rosenbeet
Kim an seinem Rosenbeet.

In dieser kleinen Szene steckt viel von dem, was die beiden ausmacht. Sie sind außergewöhnliche Menschen, zusammen ein ausgesprochen sympathisches Gesamtkunstwerk. Sie nehmen sich Zeit für das Genaue, für das Lebendige und für die Form. Was sie anfassen, soll stimmen, ob es ein Beet ist, ein Kamin oder ein Käfer auf der Hand.

Am Ende führt alles auf dieselbe Haltung zurück. Heinz und Kim gestalten nicht, um fertig zu werden. Sie gestalten, weil das Gestalten ihre Art ist zu leben: mit Geduld, mit eigenen Händen, mit einem Blick für das besondere Stück und mit der Freude an dem, was noch nicht abgeschlossen ist.

Häufige Fragen

Was macht einen Garten bei Nacht magisch?

Wenig Licht, das gezielt sitzt. Ein einzelner angestrahlter Baum, eine leuchtende Kugel im Rasen, Laternen mit Kerzen zwischen den Tischen. Dazu eine Feuerstelle, Gräser im Gegenlicht und Pflanzen, die erst abends duften. Der Rest darf dunkel bleiben.

Welche Pflanzen duften abends im Garten?

Nachtkerze, Nachtviole und Geißblatt öffnen ihren Duft erst nach Sonnenuntergang. Sie gehören an Sitzplätze, an denen du abends bist.

Schadet Gartenbeleuchtung den Insekten?

Ja, wenn sie flächig und die ganze Nacht brennt. Kunstlicht zieht Insekten an, sie kreisen um die Lampe, bis sie erschöpft sind. Deshalb Licht nur punktuell setzen, zeitlich begrenzen und bewusst dunkle Ecken lassen. Glühwürmchen brauchen genau diese dunklen, wilden Stellen mit Humusboden.

Was ist die Offene Gartenpforte?

Eine jährliche, deutschlandweite, ehrenamtlich organisierte Veranstaltung, bei der Menschen ihre privaten Gärten für Besucher öffnen. Man geht nicht, um zu bewerten, sondern um zu schauen und ins Gespräch zu kommen.

Schreibe einen Kommentar