Weltfrauentag 2026: Warum mein Garten-Workshop weiblich ist, die Baustelle aber nicht

Weltfrauentag 2026: Warum mein Garten-Workshop weiblich ist, die Baustelle aber nicht

Am vergangenen Wochenende in Marburg war es wieder spürbar: Diese ganz besondere Energie, wenn eine Gruppe von Menschen, vorwiegend Frauen, über Gärten spricht. Es geht um Atmosphäre, um das Gefühl, wenn man morgens barfuß durch das Gras geht, und darum, wie ein Außenraum zur Seele eines Hauses wird. Hier herrscht eine natürliche Kooperation, ein Austausch auf Augenhöhe.

Draußen im Berufsalltag, auf der professionellen Baustelle, begegne ich seit 15 Jahren einer anderen Welt. Sie ist geprägt von beeindruckender Technik und harter Arbeit. Aber oft stelle ich mir die Frage: Wo bleibt eigentlich der Mensch in all dem Beton?

Was dieser Beitrag zeigt:


• Warum Gleichstellung im Gartenbau kein Randthema ist
• Dass fachliche Spitzenleistung längst weiblich mitgestaltet
• Wie Baustellenkultur junge Frauen noch immer ausbremst
• Warum die Branche ohne echte Teilhabe Zukunft verliert

Exzellenz kennt kein Geschlecht

Dass Frauen im Gartenbau keine Exoten mehr sein müssen, beweist die Statistik – wenn man genau hinschaut. Der aktuelle Bildungspreis 2025 des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) zeigt ein spannendes Bild: Unter den sechs bundesweit besten Nachwuchskräften herrscht mit drei Frauen und drei Männern eine perfekte Parität.

Besonders stark: Pia Mayr, Marieke ten Thoren und Jennifer Bencivenga belegen geschlossen die Plätze 2, 3 und 4. Das zeigt: Die Fachkompetenz ist da. Sie ist brillant, sie ist jung und sie ist in der Spitze zu 50 % weiblich. Doch während die Spitze glänzt, liegt der Frauenanteil bei den Auszubildenden insgesamt weiterhin deutlich niedriger. Talent ist vorhanden – Zugang und Rahmenbedingungen sind es nicht immer. Quelle: BGL-Bildungspreis 2025

SDG 5 und die grüne Branche

SDG 5 steht für Geschlechtergleichstellung. Es fordert gleiche Chancen auf Teilhabe, Führungspositionen und Ressourcen wie Land, Einkommen oder Bildung. Offizielle Informationen dazu findest du bei den Vereinten Nationen: https://sdgs.un.org/goals/goal5

In Agrar- und Agrifood-Systemen spielen Frauen weltweit eine Schlüsselrolle, sind aber strukturell benachteiligt – etwa beim Zugang zu Land, Finanzierung, Technologie oder qualifizierten Jobs.

Übertragen auf GaLaBau, Gartenbau, Forst und Stadtgrün heißt das: Frauen sind für Ernährungssicherheit, Biodiversität, Klimaanpassung und lebenswerte Städte unverzichtbar, bekommen dafür aber noch nicht die gleichen Chancen.

Die FAO zeigt, dass das Schließen der Gender-Gaps in Agrifood-Systemen das weltweite BIP um fast eine Billion US-Dollar erhöhen und die Ernährungsunsicherheit für Millionen Menschen senken könnte. Weitere Informationen dazu findest du unter https://www.fao.org

Symbol für SDG 5 Geschlechtergleichstellung als zentrales Thema im Gartenbau
Symbol für SDG 5 Geschlechtergleichstellung als zentrales Thema im Gartenbau

Die grüne Branche ist damit ein Paradebeispiel für das, was SDG 5 adressiert: hohe Verantwortung von Frauen, aber immer noch ungleiche Macht- und Ressourcenverteilung.

Von der Konkurrenz zur Kooperation

Warum zögern noch so viele junge Frauen? Ich glaube, es liegt oft an alten Spielregeln. Statt entspanntem Miteinander regiert auf Baustellen häufig das Sich-beweisen-Müssen und eine Kultur der Konkurrenz, die wir schon in der Schule lernen. Das ist schade, denn im Garten geht es eigentlich um etwas ganz anderes als um Ellenbogen.

Ich wünsche mir für meine Branche – und auch für meine Tochter –, dass wir wegkommen vom rein technischen Kräftemessen. In 15 Jahren habe ich gelernt: Wirkliche fachliche Souveränität braucht keine dicken Statussymbole wie protzige Pick-ups oder den größten Fuhrpark. Sie braucht das Gespür für den Ort und die Menschen.

Das Wesentliche: Den Garten fühlen, nicht nur bauen

Oft kommen Menschen zu mir, die viel Geld investiert haben. Technisch ist alles perfekt: gerade Kanten, schwere Steinmauern, dicke Maschinen im Einsatz. Und trotzdem fühlen sie sich nicht wohl. Warum? Weil beim Bau nicht beim Menschen angefangen wurde.

Das passiert, wenn wir das Wesentliche aus den Augen verlieren:

  • Pflanzen sind Lebewesen, keine Dekoelemente, die man nur „in die Erde kloppt“.
  • Ein Garten ist ein Rückzugsort, kein Ort für Statussymbole.
  • Erfolg misst sich am Wohlbefinden, nicht an der PS-Zahl des Baggers.

Weltfrauentag 2026: Einladung zur Augenhöhe

Zum Weltfrauentag geht es mir nicht um eine Anklage, sondern um eine Vision. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN sprechen von Gender Equality (SDG 5). Im Garten können wir das jeden Tag leben.

Gartenarbeit und Gestaltung verbinden uns über alle kulturellen und geschlechtlichen Grenzen hinweg. Wenn wir die „weibliche“ Sichtweise auf Atmosphäre und Wohlbefinden mit dem handwerklichen Know-how kombinieren, entstehen Gärten, die wirklich begeistern. Lassen wir uns gegenseitig zu Rate ziehen – nicht weil wir müssen, sondern weil genau diese Verbindung unsere Branche zukunftsfähig macht.

Ich liebe meine Arbeit. Ich liebe meinen Beruf. Für mich ist er Berufung.

Gartengestalterin Sadhana Kraus auf einer Baustelle im GaLaBau
Tagsüber auf der Baustelle. Abends mit Nagellack. Beides gehört zu mir.

Der Anfang war hart. Ich habe gelernt, mich zu behaupten. Und ich muss es bis heute immer wieder neu tun. Ich habe eine Stärke entwickelt, die heute unverrückbar ist.

Und genau das wünsche ich jeder jungen Frau, die überlegt, diesen Weg zu gehen.

An alle Töchter: Traut euch.

An alle Eltern: Ermutigt eure Mädchen, draußen zu arbeiten, Maschinen zu führen und Verantwortung zu übernehmen.

An alle Frauen in der Branche: Eure Perspektive wird gebraucht. Auf der Baustelle. In der Planung. In der Führung.

Die grüne Branche gestaltet unsere Städte von morgen. Sie braucht Kompetenz. Und sie braucht euch.

Wenn du spüren willst, warum ich diesen Beruf so liebe, lies auch meinen Artikel „12 Gründe, warum ich das Gärtnern liebe“:


Mich interessiert deine Sicht: Wie erlebst du die Kultur auf Baustellen oder in der grünen Branche? Teile deine Gedanken gern in den Kommentaren.

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