Vor 18 Jahren bin ich in den Bienenweg gezogen. Zwei Monate vor der Geburt meiner Tochter, zusammen mit ihrem Vater, in eine 94-Quadratmeter-Wohnung im Erdgeschoss eines alten, schwarz verkleideten Hauses auf einem Hügel. Eigentlich war es nur als Zwischenstation gedacht. Ein Jahr, vielleicht zwei, und dann wollten wir weiter in eine Gemeinschaft. Das Leben kam anders. Ich bin geblieben.
Wer das Haus besucht, kommt auf dem Weg hinauf an einer alten Eiche vorbei. Riesig, knorrig, schon ewig da. Für mich war sie von Anfang an der gute, schützende Geist dieses Ortes.

Mein Garten in vier Sätzen
1 – Ein pflegeleichter naturnaher Garten auf fünf Ebenen am Hang.
2 – Gewachsen über 18 Jahre, vieles aus geretteten und getauschten Pflanzen.
3 – Robust und ganz ohne zusätzliche Bewässerung.
4 – Mehr Hängematte und Morgensitzplatz als Schaugarten.
Die Ausgangslage
Fünf Ebenen am Hang
Der Hauptgarten liegt an der Südseite des Hauses. Fünf Ebenen, terrassenartig den Hang hinab. Jede Ebene 3,5 Meter tief und 25 Meter lang. 37 steile Stufen bis ganz unten.
Meine Kriterien
Als Gartengestalterin hatte ich von Anfang an klare Kriterien: schön, pflegeleicht, ohne großen Geldaufwand. Ich lebe zur Miete. Ich wollte den Ort würdig hinterlassen, aber nicht überinvestieren. Also habe ich hauptsächlich mit Pflanzen gearbeitet, die ich gerettet, getauscht oder übrig hatte. Vieles in diesem Garten ist aus dem gewachsen, was schon da war. Ich habe dem Ganzen Jahr für Jahr meine Richtung gegeben. Und: Vor allem Kanadische Goldrute und Gelb-Felberich massiv verringert, die sich jahrzehntelang ungezähmt breit machen konnten. Wozu? Damit Vielfalt entstehen konnte.



Dazu kommen die alten Obstbäume. Sie sind über Jahrzehnte gewachsen, vernarbt, eigenwillig. Während eines Sturms brach beim Kirschbaum ein dicker Ast ab. Der große Apfelbaum wurde einmal auf 1,70 Meter geköpft – aus Sicherheitsgründen. Die Stämme blieben. Ich wollte nicht, dass sie klein gehäckselt und abtransportiert werden. Stattdessen bekamen sie einen Platz: als Einrahmung von Beeten, als Sitzfläche, als Strukturgeber.

Ein weiteres Kriterium war das Gießen. Im Sommer bin ich oft wochenlang unterwegs. Ich wollte niemanden damit belasten, den Garten zu bewässern. Also müssen alle Pflanzen ohne zusätzliche Bewässerung auskommen: robust, kräftig, auch im Umgang mit Giersch und Quecke.
Was ich lange nicht laut gesagt habe
Es gab noch etwas, das ich lange nicht laut gesagt habe: Tagsüber gestalte ich Gärten für andere Menschen. Ich pflanze, pflege, forme. Und irgendwann blüht dort alles. Zu Hause war das lange nicht so. Nicht weil mir der Sinn fehlte, sondern weil die Kraft fehlte. Am Abend wollte ich einfach alle fünf grade sein lassen, nicht noch weiter arbeiten. Ich kenne das Schamgefühl, das dabei entsteht: die Gartengestalterin, deren eigener Garten statt biodivers zu blühen aus Giersch und Goldrute besteht und etwas verwildert daherkommt. Kein Garten, der in der Zeitschrift „Landhaus“ oder „Mein Schöner Garten“ prämiert wird.

Was ich gelernt habe: Der Garten nimmt einem das nicht übel. Er wartet. Und wenn man wiederkommt, auch nach Monaten, fängt man einfach da wieder an, wo man aufgehört hat. Kleine Schritte, in die richtige Richtung. Kein Drama.


Eine Reise durch die fünf Ebenen
Ich nummeriere die Ebenen von unten nach oben: Ebene 1 liegt ganz unten im Tal, 37 Stufen vom Haus entfernt, Ebene 5 ist die Terrasse direkt am Haus. So gehe ich auch durch diesen Text, von unten hinauf auf die Höhe.
1. Ebene: Chop & Drop
Die unterste Ebene. 37 Stufen vom Haus entfernt. Von Anfang an war mir klar: hier werde ich wenig Zeit verbringen. Also habe ich diese Ebene bewusst einfach gehalten. Im Laufe der Jahre habe ich hier Pflanzen zwischengeparkt. Zweimal im Jahr mache ich Chop & Drop: schneiden mit der Heckenschere, liegenlassen. Eine Methode aus England, die den Boden schützt und Tieren Lebensraum bietet. In den Zwischenräumen der Sandsteinmauer nisten Amseln. Der einfach geschichtete Kompost ist reich an Bodenleben.

2. Ebene: Der Naschgarten
Hier stehen Sträucher, die ich von Kunden gerettet habe, zwei alte Apfelbäume und noch junge Apfel- und Birnenbäume. Ich halte einen Weg mit der Motorsense frei. Im Frühling blühen hier viele Primeln und kriechender Günsel (Ajuga reptans). Das ist mein Naschgarten. Mit einem Liegestuhl zum Pause machen.


3. Ebene: Kräuter, Kirschbaum, Entspannung
Hier ist der Kräutergarten. Ursprünglich hatte ich mir einen kleinen Gemüsegarten gewünscht. Aber mit Kind, Beruf und wochenlangem Sommerurlaub hat das nicht funktioniert. Als die Tomaten und Zucchini reif wurden, waren wir weg. Also habe ich den Wunsch von eigener Gemüseernte wieder losgelassen und den Kräutern Platz gemacht.
Unter dem Kirschbaum entstand der Sandkasten meiner Tochter. Daneben hing eine Hängematte. Später habe ich die Fläche als Zwischenlager für Pflanzen genutzt, aber die vielen Treppen machten das unpraktisch. Heute wachsen dort süße, kleine Walderdbeeren. Der sandige Untergrund ist geblieben, und er ist ein guter Nistplatz für Wildbienen. Mein Relax-Bereich ist auf dieser Ebene: Hängematte und Liegebank unter dem Pflaumenbaum.

4. Ebene: Souterrain am Haus
Hier ist der Keller für die Gartengeräte. Im Laufe der Zeit habe ich diese Ebene langsam aber unaufhaltsam mit Stauden und Rosen gestaltet. Hier gibt es meinen Morgensitzplatz.

5. Ebene: Die Terrasse
Das Erdgeschoss des Hauses. Von der Terrasse geht es entweder hinunter in den Garten oder rechts ums Haus zum Hauseingang. Entlang der Hauswand eine 50 Zentimeter breite Staudenrabatte. „Hier wächst nichts, daran haben sich schon viele probiert“, sagte mir die 79-jährige Nachbarin gleich am Anfang. Ein schwieriger Streifen.
Das hat mein Gärtnerinnenherz angestachelt. Heute wächst hier ganz prächtig: Elfenblume, Storchschnabel (Geranium renardii), ein inzwischen stattlicher Waldgeißbart, Luzula sylvatica und Luzula nivea, Akelei, Funkie und Salomonssiegel unterpflanzt mit Waldsteinie (Waldsteinia ternata). Nur den Salomonssiegel zerpflückt mir hin und wieder das Reh. Alles andere verschont es.

Das Schönste auf dieser Etage: Kein Zaun zum Nachbargrundstück. Man fühlt sich wie in einem Park, mit alten Rhododendren und hohen Kiefern. Rehe kommen regelmäßig zu Besuch. Morgens sehe ich sie von meinem Arbeitszimmer oder vom Küchenfenster aus, bevor sie sich in den Wald auf der gegenüberliegenden Straßenseite zurückziehen.

Was nicht funktioniert hat
Nicht alles hat sich gehalten. Die Prächtige Wiesenraute (Thalictrum rochebruneanum) ist in einem besonders trockenen Sommer verschwunden. Tulpen und Stauden werden regelmäßig vom Reh geköpft. Gemüse hat aus mehreren Gründen nicht funktioniert: zu viel Arbeitseinsatz, zu wenig Bewässerung, Schnecken und ich war unterwegs, als es reif wurde.


Das gehört dazu. Aus solchen Rückschlägen ist mit der Zeit eine klare Haltung gewachsen. Mit ihr beginne ich heute jede Beratung.
Was möchte ich in meinem Garten machen?
Durch die jahrelange Auseinandersetzung mit meinem eigenen Garten habe ich verstanden, was ich heute als Gartengestalterin in jede Beratung mitnehme: Der Mensch steht im Zentrum.
Bevor ich über Pflanzen nachdenke, stelle ich mir heute zuerst diese Frage: Was möchte ich in meinem Garten machen?
Und davor noch eine ehrlichere: Was kann ich überhaupt leisten? Wie viel Zeit habe ich wirklich? Wie oft bin ich weg?
Drei Fragen, bevor du loslegst
– Was möchte ich in meinem Garten machen?
– Was kann ich wirklich leisten?
– Wie viel Zeit habe ich, und wie oft bin ich weg?
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, trifft danach bessere Entscheidungen. Bei den Pflanzen. Bei der Pflege. Bei der Gestaltung.
Hilfreich ist es auch, sich über die eigenen Werte klar zu werden. Mindestens drei, die man mit dem Garten verbindet. Nachhaltigkeit. Pflegeleichtigkeit. Rückzug. Naturnähe. Was auch immer es ist: daran orientiert sich dann alles. Das nenne ich die Werte-Wolke, und sie ist Teil des Seelendesigns, der zweiten Säule meines Gartenkonzepts.
Aus diesen Fragen und Werten heraus haben sich in meinem Garten die Orte gebildet. Der Morgensitzplatz auf der vierten Ebene. Die Hängematte unter dem Pflaumenbaum. Der Liegestuhl im Naschgarten. Die Terrasse mit dem Blick über den Garten auf den Wald. Niemand hat mir diese Orte vorgegeben. Sie sind entstanden, weil ich genau hingeschaut habe, was ich wirklich brauche.

Wie du deine eigenen Lieblingsorte im Garten findest, liest du hier: Lieblingsorte im Garten: Wie du die Orte findest, die wirklich zu dir passen
Was deinen Garten in seinem Wesen ausmacht, beschreibe ich hier: Genius Loci: Was macht deinen Garten unverwechselbar?
Wer seinen Garten naturnaher und pflegeleichter gestalten möchte: Einfache Wege zu einem naturnahen und pflegeleichten Garten
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