Auf meinem Grundstück steht eine jahrhundertealte Eiche. Was dieser Baum jeden Herbst fallen lässt, beeindruckt mich immer wieder. Einmal kam ich aus einem Herbsturlaub zurück und stand fast bis zu den Knien im Laub.

Ich kenne also das Gefühl, wenn es einfach zu viel wird. Dann sage ich mir: Das hier ist eines der wertvollsten Geschenke der Natur, und es ist kostenfrei. Manche sehen im Laub nur Abfall. Für mich ist es das Gegenteil.
Laub liegen lassen heißt nicht, nichts zu tun. Es heißt, das Laub dorthin zu bringen, wo es deinem Boden hilft, und es dort wegzuräumen, wo es stört.
Kurz und bunt
Laub ist kein Abfall, sondern Futter für deinen Boden. So gehst du damit um:
In Staudenbeeten und unter Sträuchern bleibt es liegen und schützt den Boden.
Igel, Laufkäfer, Erdkröten, Hummelköniginnen und viele Insekten finden darin Unterschlupf und ihr Winterquartier.
Von Wegen, Treppen und dem Rasen kommt es weg, auf Wegen schon aus Sicherheitsgründen.
Das Laub bleibt ganz, so wie es fällt. Nur krankes Laub, etwa mit Teerflecken vom Ahorn, kommt in den Grünmüll.
Ein Ring aus Hasengitter macht aus deinem Laub bis zum Frühjahr Laubkompost.
Dazu bekommst du mein Schild zum Ausdrucken: Laubbläser? Nein danke.
Warum Laub so wertvoll ist
Nackten Boden gibt es in der Natur kaum. Der Biologe Dr. Michael Lohmann hat mit seinem Buch „Öko-Gärten als Lebensraum“ schon 1983 den naturfreundlichen Garten im deutschsprachigen Raum geprägt. Er beschreibt es so: Der Boden braucht eine Schutzhaut. Im Wald ist das die Schicht aus herabgefallenen Blättern. In dieser Streuschicht leben zahllose Tiere und Pilze, und im Winter finden viele Tiere darunter ihre Nahrung.
Unter dieser Schicht arbeitet das Bodenleben. Regenwürmer, Asseln, Springschwänze und unzählige Kleinstlebewesen zersetzen das Laub nach und nach zu Humus. Wie viel da passiert, zeigt eine Zahl: Auf Weideland können Regenwürmer bis zu 40 Tonnen Kot pro Hektar und Jahr ablegen, und genau das ist feinste, krümelige Erde.
Wenn du deine Beete mit Laub bedeckst, machst du also nichts anderes als die Natur. Mulchen ist ihr abgeschaut. Wie du deinen Boden insgesamt pflegst, liest du in Klimafit und nachhaltig: Den Bodenschatz in deinem Garten pflegen.
Was die Laubdecke in deinem Beet bewirkt
- Der Boden trocknet nicht so schnell aus und bleibt gleichmäßig feucht. Das spart dir Wasser.
- Sie gleicht Temperaturen aus, im Sommer wie im Winter.
- Regen verschlämmt den Boden nicht, er bleibt locker und wird nicht abgeschwemmt.
- Bodentiere und Mikroorganismen machen Nährstoffe für deine Pflanzen verfügbar.
- Wildkräuter kommen seltener durch. Und was doch keimt, ziehst du leicht aus dem lockeren Boden.
Wer im Laub den Winter verbringt
Unter der Laubdecke ist im Winter mehr los, als du denkst. Igel, Erdkröten und Laufkäfer suchen dort Unterschlupf, dazu viele Insekten. Begattete Hummelköniginnen graben sich nur wenige Zentimeter tief in den Boden ein. Das Laub darüber hält sie warm wie eine Bettdecke.
Deshalb lasse ich das Laub im Beet ganz, so wie es fällt. Wer es mit dem Rasenmäher zerkleinert, zerstört auch die vielen Bodenlebewesen, Insekten, Eier und Kokons, die darin stecken.
Auch Stängel und Totholz dürfen bleiben
Viele Wildbienen nisten in hohlen Pflanzenstängeln und in Totholz. Lass deine Stauden über den Winter stehen und räum einen kleinen Haufen aus Ästen nicht gleich weg. Mit dem Frühjahrsputz wartest du, bis die Tiere aus ihrem Winterquartier gekommen sind. Wie du deinen Garten bienenfreundlich gestaltest, liest du in Tipps fürs Bienenparadies.
Wo das Laub liegen bleibt
In Staudenbeeten
Hier lasse ich das Laub einfach liegen. Es deckt den Boden zu, schützt ihn vor Frost und Austrocknung und arbeitet sich bis zum Frühjahr langsam ein. Offener Boden zwischen den Stauden ist übrigens eines von acht Zeichen, dass dein Garten mehr Arbeit macht als nötig. Alle acht findest du hier.

Unter Sträuchern und in einer wilden Ecke
Unter Sträuchern darf das Laub ebenfalls bleiben. Dorthin kannst du auch das Laub bringen, das du vom Rasen holst. Zusammen mit Rasenschnitt, Holz und Strauchschnitt verrottet es dort von selbst, ganz ohne Komposter. Gleichzeitig entsteht ein Unterschlupf für Tiere.

Im Halbschatten und Schatten
Im Halbschatten und Schatten mulche ich mit Laub und Grasschnitt. So entsteht ein humoser Boden, wie ihn Gehölzrandstauden mögen.
Wo du das Laub wegräumst
Auf Wegen und Treppen
Das ist mir wirklich wichtig: Kehr deine Wege und Treppen. Nasses Laub ist rutschig, und gerade bei feuchtem Wetter stürzt man schnell.
Auf dem Rasen
Unter einer dicken Laubschicht bekommt das Gras kein Licht und keine Luft, und es bleibt darunter dauerhaft feucht. Das Gras wird gelb und fault, Moos breitet sich aus, und Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel können entstehen. Rech das Laub vom Rasen und bring es in die Beete, unter die Sträucher oder in deinen Laubring.

Krankes Laub
Laub von Bäumen mit Pilzkrankheiten, zum Beispiel der Teerfleckenkrankheit beim Ahorn, räumst du komplett weg und gibst es in den Restmüll. So verhinderst du, dass sich die Pilzsporen nicht nur in deinem Garten weiter ausbreiten.
Im Kiesbeet
Auch im Kiesbeet (oder im Sandbeet) lasse ich das Laub nicht liegen. Es würde verrotten und mit der Zeit eine fruchtbare Humusschicht über dem Kies bilden. Im Kiesgarten soll der Boden aber mager, nährstoffarm und sehr durchlässig bleiben. Und auf einer Humusschicht keimen angeflogene Samen besonders gut. Mit einem Reisigbesen bekommst du das Laub leicht aus dem Kies.
Übrigens: Ein Kiesbeet ergibt nur in der vollen Sonne Sinn, also dort, wo keine Bäume in direkter Nachbarschaft stehen. Dann fällt dort auch kaum Laub an.
Mein Weg: Laubring und Laubhaufen
Für das viele Laub meiner Eiche brauche ich keinen Komposter. Ich forme aus Hasengitter einen Ring, fülle das Laub hinein, fertig. Im Frühjahr habe ich daraus Laubkompost für meine Staudenbeete.

Eichen- und Walnussblätter verrotten langsamer als anderes Laub. Das viele Laub meiner Eiche packe ich deshalb unter und hinter die Sträucher, dazwischen kommt Strauchschnitt. So schichtet es sich Jahr für Jahr auf und rottet langsam vor sich hin. Gleichzeitig ist der Haufen ein Winterquartier für Igel und andere Tiere.
Laubbläser? Nein danke
Ich war einmal bei einer Freundin zum Nachmittagskaffee verabredet. Im Garten sitzen konnten wir nicht, weil alle paar Minuten irgendwo nebenan ein Laubbläser anging. Und das geht im Herbst ja wochenlang so.
Bei großen Grundstücken verstehe ich, dass Menschen zum Laubbläser greifen. Ich selbst halte nichts davon. Noch schlimmer ist der Laubsauger: Er saugt Käfer, Spinnen und andere Kleintiere mit ein und häckselt sie. Der Gedanke ist mir einfach unerträglich. Beim letzten Rechen auf der Treppe habe ich gerade noch rechtzeitig einen Regenwurm entdeckt und ihn zur Seite ins Beet gesetzt.
Und Rechen hat noch einen anderen Wert: Du bewegst dich draußen an der frischen Luft. Wenn ich am Computer nicht weiterkomme, gehe ich in den Garten und reche. Danach ist mein Kopf frei.
Mein Tipp: Nimm dir nicht drei Stunden am Stück vor. Rech immer nur ein Stück, heute die Treppe, morgen die Rasenfläche vor dem Haus. So bleibt es eine gute Bewegung und wird keine Last.
Das Schild zum Ausdrucken
In den USA ruft die Naturschutzorganisation Xerces Society mit der Kampagne Leave the Leaves dazu auf, Laub liegen zu lassen. Ihr Motto: Laub ist kein Abfall.
Für alle, die es ähnlich sehen, habe ich ein Schild gestaltet. Darauf steht: „Laubbläser? Nein danke. Hier bleibt das Laub liegen. Es schützt den Boden, wird zu Humus und ist Winterquartier für Igel, Käfer und Insekten.“
Das Schild kannst du dir kostenfrei herunterladen und ausdrucken. Bevor du es draußen aufhängst, laminier es, damit es Wind und Wetter übersteht.
Und die Schnecken?
Der Einwand, den ich am häufigsten höre: Laub sei ideal für Schnecken. Laub bietet aber auch ihren Gegenspielern ein Zuhause. Laufkäfer verstecken sich tagsüber unter herabgefallenem Laub und jagen nachts Schnecken. Erdkröten nutzen Laub als Winterquartier und fressen ebenfalls Schnecken.
Mein Tipp: Wichtig ist eher, was du sonst noch auf die Beete gibst. Frischen, saftigen Grasschnitt lässt du am besten erst antrocknen und streust ihn dann dünn aus. Dick und nass aufgetragen lockt er Schnecken an.
Für mich überwiegen die Vorteile.
Ein Blatt ist mehr als ein Blatt
Als Kind habe ich bunte Blätter in einer Blumenpresse getrocknet und daraus Bilder geklebt. Diese Freude ist geblieben. Wenn ich irgendwo Lindenlaub liegen sehe, denke ich jedes Mal: Wie schön das in meinen Beeten aussehen würde, mit diesem warmen Gelb.

Vielleicht schaust du dein Laub in diesem Herbst auch mit anderen Augen an.
Häufige Fragen
Ja. In Staudenbeeten schützt das Laub den Boden über den Winter und wird bis zum Frühjahr zu Humus. Die meisten Stauden treiben im Frühjahr einfach hindurch. Wintergrüne Rosetten und Polsterstauden deckst du nicht dick zu, sie können unter nassem Laub faulen.
Ja, wenn es dick und nass liegt. Unter der Laubschicht bekommt das Gras kein Licht und keine Luft, und es bleibt dauerhaft feucht. Das Gras wird gelb und fault, Moos breitet sich aus, und Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel können entstehen. Rech das Laub vom Rasen und bring es in die Beete, unter die Sträucher oder in einen Laubring.
Beide verrotten langsamer als anderes Laub. Schichte es zusammen mit Strauchschnitt unter und hinter deine Sträucher. Dort rottet es langsam und bietet Igeln ein Winterquartier.
Laub mit Pilzkrankheiten, etwa der Teerfleckenkrankheit beim Ahorn, gehört in den Restmüll, nicht ins Beet und nicht auf den Kompost.
In einen Ring aus Hasengitter oder einfach unter Sträucher und in eine wilde Ecke. Dort verrottet es von selbst und bietet Tieren Unterschlupf.
Damit du Extras wie dieses Schild nicht verpasst, trag dich am besten in meine Flower Power Gartenpost ein. Darin teile ich regelmäßig Wissen aus der Praxis, Inspiration und konkrete Tipps für naturnahe, klimafitte Gärten. Sie ist kostenfrei.

Wer schreibt hier? Ich bin Gartengestalterin und ausgebildete Staudengärtnerin und führe seit über 15 Jahren meinen eigenen Betrieb in Marburg. Ich begleite Menschen dabei, ihren Garten bewusst zu entwickeln, nicht nach Trends, sondern nach dem, was wirklich zu ihnen passt. Dabei konzipiere ich Gärten, die langfristig funktionieren: klimafit, pflegeleicht und mit Persönlichkeit.
Meine Überzeugung: Ein Garten ist kein Dekorationsprojekt. Er ist ein Dialog zwischen dir und der Natur. Du gibst die Richtung vor, die Natur antwortet. Daraus entsteht dein einzigartiger Lieblingsort.
Wenn ich nicht gerade Pflanzpläne zeichne oder in der Erde buddle, findest du mich beim Yoga, auf Reisen oder tanzend auf einem Festival.



