Trockenheitsverträgliche Pflanzen: An diesen vier Merkmalen erkennst du sie

Trockenheitsverträgliche Pflanzen: An diesen vier Merkmalen erkennst du sie

Viele Stauden und Pflanzen haben die Hitze in den letzten heißen Sommern nicht gut vertragen und aus dem Traum vom blühenden Garten wurde stattdessen ein Gießkannenmarathon. In diesem Artikel erfährst du, wie du deinen Garten für den nächsten Hitzesommer fit machst und woran du trockenheitsverträgliche Pflanzen erkennst, die Hitze und längere Trockenperioden wegstecken.

Eigentlich ist es ja ein Traumsommer: Wochenlang Sonne und blauer Himmel, was gleichzeitig heiß und trocken bedeutet. Für Sonnenhungrige und Badelustige ein wahrer Traum.
Uns Gärtnern machte dabei eines außerordentlich schwer zu schaffen: Der nahezu fehlende Regen. Schöner, warmer Sommerregen.
Gepflegte Rasenflächen, die kaum trocken- und hitzetolerant sind, verwandeln sich als Erstes in staubige, verbrannte Böden.
Die Flammenblume (Phlox), die in unseren Gärten bisher zuverlässig und üppig blühte, bringt inzwischen ohne zusätzliches Gießen nur wenige Blüten hervor, der Rittersporn (Delphinium) verdorrt, anstatt im Spätsommer eine zweite Blüte hervorzubringen, Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum) verkümmert Woche für Woche.

Kurz und trocken zusammengefasst

Trockenheitsverträgliche Pflanzen erkennst du an vier Merkmalen: silbrigem oder wolligem Laub, dickfleischigen Blättern, Rhizomen als Speicherorgan und tiefen Pfahlwurzeln.

Silbrig-wolliges Laub: Brandkraut, Wollziest, Lavendel, Currykraut
Dickfleischige Blätter: Fetthenne in allen Sorten
Rhizome als Speicher: Bart-Iris, Pfingstrose
Tiefe Pfahlwurzeln: Königskerze, Wegwarte, Malve

Am Ende nimmst du mit: Mit den richtigen Pflanzen wird aus dem Gießkannenmarathon ein Garten, der den Sommer aushält.

Ohne Wasser blüht nichts

Alte Zinkgießkanne hängt an einer dunklen Holzwand, Symbol für den Gießkannenmarathon im Hitzesommer

Wasser ist für Pflanzen lebensnotwendig, denn es ermöglicht Stabilität, Nährstofftransport und Photosynthese. Um bei Trockenheit Wasser zu sparen, schließen Pflanzen beispielsweise ihre Spaltöffnungen an der Blattunterseite. Über diese verdunstet Wasser, tritt aber auch über die Fotosynthese notwendiges Kohlenstoffdioxid ein. Pflanzen rollen bei Trockenheit außerdem ihre Blätter ein oder werfen sie gleich ganz ab. Die Pflanze lebt quasi auf Sparflamme.

Gleichzeitig versuchen die Pflanzen, mit vermehrtem Wurzelwachstum in tiefere wasserführende Bodenschichten vorzudringen. Auf diese Weise können sie kurzfristigen Wassermangel gut verkraften. Bei langanhaltender Dürre verringert sich jedoch das gesamte Pflanzenwachstum – im schlimmsten Falle stirbt der Organismus ab.

(K)Ein Grund zum Verzweifeln?

Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung hat einen Dürremonitor entwickelt, der täglich flächendeckende Informationen zum Bodenfeuchtezustand in Deutschland liefert.

Wie ernst es werden kann, hat der Sommer 2022 gezeigt: Weite Teile Deutschlands standen am 31. August 2022 in der höchsten Stufe „außergewöhnliche Dürre“, die Karte unten zeigt diesen Tag. An meinem Wohnort Marburg wurden damals schon im Juli Grillverbote ausgesprochen und Veranstaltungen wegen akuter Brandgefahr abgesagt. Nicht jeder Sommer ist so extrem, in diesem Jahr sieht die Karte freundlicher aus. Und trotzdem: In manchen Städten, in meiner Heimatstadt München zum Beispiel, darf der Garten in diesem Sommer nicht mehr gegossen werden. Die trockenen Jahre kommen wieder, und genau dafür pflanzen wir vor.

Dürremonitor-Karte des Helmholtz-Zentrums vom 31. August 2022, weite Teile Deutschlands in Dunkelrot für außergewöhnliche Dürre

Die Faktenlage könnte uns jetzt wirklich verzweifeln lassen, aber das Gute ist, wir können etwas tun. Denn haben wir die richtigen Pflanzen, die wenig Wasser brauchen und Hitze vertragen, müssen wir weniger wässern im Garten.

Woran erkennst du Pflanzen, die Hitze und Trockenheit vertragen?

Trockenheitsverträglich ist eine Pflanze, die nach dem Anwachsen längere Hitze- und Trockenphasen ohne zusätzliches Gießen übersteht. Du erkennst sie an vier Merkmalen: silbrigem oder wolligem Laub, dickfleischigen Blättern, Rhizomen und tiefen Pfahlwurzeln.

  1. Silbriges, wolliges Laub
    Behaartes, raues Laub wie beim Brandkraut (Phlomis russeliana) besitzt kleine Härchen auf der Blattober- und Unterseite, das den Morgentau aufnimmt und die Pflanze so mit Wasser versorgt. Das weiche, wollige Laub vom Muskateller Salbei (Salvia sclarea) oder vom Wollziest (Stachys byzantina) schützt die Pflanze ebenfalls vor unnötiger Wasserverdunstung. Die Blätter von Lavendel (Lavendula angustifolia) und Currykraut (Helichrysum italicum) verdunsten durch ihre schmale, silbrige Oberfläche nur sehr wenig Feuchtigkeit.
  2. Dickfleischige Pflanzen
    Sukkulenten, also Pflanzen mit dickfleischigen Blättern und Stängel wie die Fetthenne (Sedum in allen Sorten), können ihre Wasserreserven im Gewebe speichern und so Trockenperioden überstehen.
  3. Pflanzen mit Rhizomen
    Rhizome (meist unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsendes Sprossachsensysteme) wie bei der Bart-Iris (Iris barbata-elatior, -media und -nana) oder Pfingstrose (Paeonia) speichern Nährstoffe und wertvolles Nass und geben es während trockener Perioden wohldosiert an Spross, Blätter und Blüten weiter.
  4. Pflanzen mit Pfahlwurzeln
    Wegwarten (Chichorium intybus), Königskerzen (Verbascum in Sorten) und Malven (Malva sylvestris) dringen mit ihren Pfahlwurzeln besonders tief in die Erde ein und erreichen feuchtere Bodenschichten. Aber Vorsicht: Sowohl Wegwarte, Königskerze und Malve versamen sich reichlich, von daher sind sie für kleine, geordnete Beete ungeeignet.
MerkmalBeispiel-PflanzenSo funktioniert es
Silbriges, wolliges LaubBrandkraut, Muskateller Salbei, Wollziest, Lavendel, CurrykrautHärchen fangen Morgentau, helle Oberfläche verdunstet wenig
Dickfleischige BlätterFetthenne (alle Sorten)Wasserspeicher im Gewebe
RhizomeBart-Iris, PfingstroseSpeichern Wasser und Nährstoffe, geben sie dosiert ab
PfahlwurzelnKönigskerze, Wegwarte, MalveReichen in tiefe, feuchte Bodenschichten

Sieben erprobte Stauden mit genau diesen Merkmalen habe ich dir in einem eigenen Artikel zusammengestellt: 7 klimafitte Stauden, auf die ich mich seit Jahren verlasse.

Purpurviolette Blüten der Königskerze, einer Pflanze mit tiefer Pfahlwurzel

Weitere Hitzetipps für deinen Garten

  • Die hitzebeständigen Pflanzen lieben einen vollsonnigen Standort. Der Boden sollte eher nährstoffarm sein. Regelmäßiges Düngen kannst Du also beruhigt weglassen.
  • Zudem sollte der Boden durchlässig sein. Bei lehmigen Böden ist es notwendig Sand oder Kies unterzuarbeiten. So werden die Pflanzen vor Staunässe und somit Fäulnis geschützt.
  • Überfordere dich nicht!
    Du musst jetzt nicht alle Beete gleichzeitig und sofort neu bepflanzen. Du kannst einzelne Pflanzen bzw. Pflanzengruppen Schritt für Schritt gegen geeignetere Pflanzen austauschen.

Häufige Fragen zu trockenheitsverträglichen Pflanzen

Welche Pflanzen vertragen Hitze und Trockenheit am besten?

Zuverlässig sind Pflanzen mit silbrigem oder wolligem Laub wie Lavendel, Wollziest und Brandkraut, Dickblattpflanzen wie die Fetthenne, Rhizom-Pflanzen wie Bart-Iris und Pfingstrose sowie Tiefwurzler wie Königskerze und Wegwarte. Jede von ihnen hat ihren eigenen Trick gegen den Durst.

Woran erkenne ich trockenheitsverträgliche Pflanzen?

An vier Merkmalen: silbriges oder wolliges Laub, dickfleischige Blätter, Rhizome als Speicherorgan oder eine tiefe Pfahlwurzel. Jedes davon ist eine eigene Strategie, Wasser zu sparen oder zu speichern.

Welcher Standort passt für hitzebeständige Pflanzen?

Ein vollsonniger Platz mit eher nährstoffarmem, durchlässigem Boden. Bei schwerem Lehm arbeitest du Sand oder Kies ein, das schützt vor Staunässe. Das Düngen darfst du dir sparen, von Wellness halten diese Pflanzen wenig.

Muss ich meinen ganzen Garten auf einmal umstellen?

Nein. Tausche einzelne Pflanzen oder Pflanzgruppen Schritt für Schritt gegen geeignetere aus. So bleibt es machbar, und dein Garten wird von Jahr zu Jahr hitzefester.

Bonus

Hitzetolerante Stauden und Gräser: Eine Liste mit über 40 erprobten Arten wartet auf dich zum Download – gleichzeitig darfst du dich auf frische Garten-Tipps in meiner wöchentlichen Gartenpost freuen.

Welche Pflanzen sind bei dir im Garten Klimahelden? Schreibe mir gerne die Namen in die Kommentare, damit wir die Pflanzen-Liste gemeinsam erweitern.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Sabine Landua

    Liebe Sadhana,
    vielen lieben Dank für diese Übersicht. Gerade verdorren in meinem Garten ganz viele Pflanzen und ich bin am Überlegen, welche Alternativen es zukünftig geben könnte. Lavendel habe ich schon gepflanzt – deine anderen Tipps werde ich mir in Ruhe anschauen.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Sadhana

      Liebe Sabine, ich freue mich, dass du zu mir gefunden hast und ich dich mit einer Liste an hitzetoleranten Stauden & Gräsern versorgen kann. Schau bitte in deinem E-Mail Fach nach, sie müsste bereits angekommen sein. Herzlichst, deine Sadhana 💚

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