Hast du dich schon einmal gefragt, warum du dich an manchen Plätzen in deinem Garten sofort sicher und geborgen fühlst, während andere Orte dich eher dazu einladen, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen? Die Antwort liegt in einem faszinierenden Spannungsfeld zwischen zwei emotionalen Polen: dem Bedürfnis nach Geborgenheit und dem Wunsch nach Offenheit.
Gartengestaltung ist so viel mehr als die Frage, wo welcher Strauch steht. Es geht um Gefühle. Es gibt ein wundervolles Konzept, das uns hilft, diese Gefühle in Formen zu übersetzen: die sieben räumlichen Archetypen. Sie sind wie ein „Formen-Buffet“ für unsere emotionalen Grundbedürfnisse.
Das Schöne ist: Jeder Garten – auch der kleinste – sollte idealerweise alle sieben Archetypen bieten. Denn so wie unsere Stimmung wechselt, so ändern sich auch unsere Bedürfnisse nach Schutz oder Freiheit.
Räumliche Psychologie: Die 7 Archetypen im Überblick
Die Gartengestaltung nutzt räumliche Archetypen als psychologisches Werkzeug, um die Bedürfnisse nach Geborgenheit und Offenheit zu erfüllen. Ein funktionaler Garten integriert idealerweise alle sieben Qualitäten, um für jede Stimmung den passenden Lieblingsort zu bieten:
• Der See & Die Höhle: Ermöglichen Rückzug, Eintauchen und tiefe Geborgenheit.
• Der Hafen: Bietet Sicherheit durch Rückendeckung bei gleichzeitigem Blick in die Welt.
• Der Vorsprung & Der Berg: Erzeugen Anregung durch neue Perspektiven und einen erhabenen Überblick.
• Die Insel: Markiert einen exponierten Punkt für Präsenz und soziale Kontaktbereitschaft.
• Der Himmel: Schafft ein Gefühl von grenzenloser Freiheit und Losgelöstheit.
Die 7 Archetypen im Überblick: Welcher Raum ruft dich heute?
Diese Formen sind eng mit unseren Stimmungen und tief verankerten Erfahrungen verknüpft. Hier sind sie, übersetzt in dein GartenReich:
1. Der See (Eintauchen & Geborgenheit)
Archetyp: Der See
Gefühl: Geborgenheit, Eintauchen, Privatheit
Umsetzung: Dichte Bepflanzung (hohe Gräser, Staudenflächen), Wasserspiele, die den Raum optisch verdichten
Ein völlig umschlossener Raum, der dich wie eine warme Umarmung empfängt. Hier findest du absolute Abgeschiedenheit und Ruhe.

2. Die Höhle (Schutz mit Ausblick)
Archetyp: Die Höhle
Gefühl: Schutz, Rückzug, Geborgenheit mit einer Brise Abenteuer
Umsetzung: Überdachte Sitzplätze, Laubengänge, Pergolen oder Plätze unter einem tiefhängenden Baumdach
Ein dunklerer, geschützter Rückzugsort mit einer kleinen Öffnung. Er bietet viel Sicherheit, aber auch schon einen ersten Blick in die Welt hinaus.

3. Der Hafen (Rückendeckung & Weltblick)
Archetyp: Der Hafen
Gefühl: Sicherheit im Rücken, Offenheit nach vorne, Beobachtung
Umsetzung: Terrassen mit Mauern oder Hecken im Rücken, Bänke in Nischen, Sitzgelegenheiten vor einer Hausfassade
Dein klassischer Gartenraum. Du hast „Rückendeckung“, aber die Welt vor dir bleibt offen und interessant.

4. Der Vorsprung (Anregung & Perspektive)
Archetyp: Der Vorsprung
Gefühl: Abenteuer, neue Perspektive, leichter Nervenkitzel
Umsetzung: Erhöhte Holzdecks, Podeste am Hand oder ein Steg, der in den Teich hinausragt.
Hier kommt ein bisschen Aufregung ins Spiel! Ein Vorsprung bietet einen Höhenunterschied und damit eine neue Perspektive, bleibt dir aber als Ort vertraut genug, um dich sicher zu fühlen.

5. Die Insel (Präsenz & Begegnung)
Archetyp: Die Insel
Gefühl: Präsenz, Sichtbarkeit, Freiheit von allen Seiten
Umsetzung: Ein freistehender Sitzplatz mitten im Rasen, Solitärbeete oder ein offener Pavillion.
Ein klar abgegrenzter Bereich, der rundherum von einer offenen Umgebung umschlossen ist. Da hier die schützende Rückendeckung fehlt, ist man von allen Seiten sichtbar und signalisiert Bereitschaft zum Austausch und zur Wahrnehmung der Umgebung.

6. Der Berg (Überblick & Freiheit)
Archetyp: Der Berg
Gefühl: Überblick, Erhabenheit, Weitblick
Umsetzung: Erhöhte Terrassen, Treppen mit einem kleinen Podest oder ein markanter Solitärbaum als „Gipfel“
Der Berg schenkt dir den großen Überblick und ein Gefühl von Stärke. Die Höhe bringt Freiheit und Weite, fordert aber auch ein wenig Mut.

7. Der Himmel (Unendliche Weite)
Archetyp: Der Himmel
Gefühl: Grenzenlosigkeit , Losgelöstheit, totale Freiheit
Umsetzung: Offene Rasenflächen mit freiem Blick nach oben, Wasserflächen, die den Himmel spiegeln, Schaukeln, Hängematten
Hier gibt es keinen Schutz und keine Grenzen mehr. Du bist dem Licht und der Luft rundum ausgeliefert. Ein Ort, um die Seele fliegen zu lassen.

Dein Weg zum Wohlfühlgarten: Finde deine Lieblingsorte
Vielleicht planst du gerade deinen Garten um oder hast das Gefühl, dass eine Ecke noch nicht „rund“ ist. Der Schlüssel liegt darin, den Aktivitäten, die du liebst, den passenden Raum zu geben. Ich nenne diese Plätze deine Lieblingsorte.
Ein Lieblingsort ist ein Bereich im Garten, der eine ganz bestimmte Funktion für dich erfüllt – und durch den passenden Archetypen bekommt er erst seine richtige Kraft.
Mach mal ein kleines Selbst-Experiment: Stell dir vor, was du in deinem Garten wirklich tun willst. Und dann frage dich, welcher Rahmen dazu passt:
- Der Lese-Platz: Du möchtest in Ruhe ein Buch lesen, aber trotzdem merken, wenn jemand das Haus verlässt? Dann gestalte diesen Ort als HAFEN.
- Der Kontakt-Ort: Du möchtest im Garten präsent sein und für Gespräche mit der Familie oder Nachbarn ansprechbar bleiben? Dann gestalte diesen Ort als INSEL.
- Der Kraft-Ort: Du brauchst nach einem stressigen Tag das Gefühl, die Welt hinter dir zu lassen? Such dir eine Ecke für deinen SEE oder deine HÖHLE.
- Der Morgen-Kaffee: Willst du mit Weitblick in den Tag starten und dich lebendig fühlen? Dann ist ein Platz vom Typ BERG oder VORSPRUNG ideal.
Mein Tipp: Achte darauf, welche Archetypen dich intuitiv am meisten ansprechen. Das sind oft die Räume, die du im Alltag am häufigsten nutzen wirst. Aber sorge auch für die anderen vor – für die Tage, an denen deine Seele mal etwas ganz anderes braucht.
Gestalte dein ganz persönliches Garten-Unikat
Diese Archetypen sind kein starres Konzept, sondern eine Einladung, deinen Garten intuitiv zu gestalten. Oft fühlen wir uns zu den Formen hingezogen, die genau unserem aktuellen Lebensthema entsprechen.
Bist du gerade in einer Phase, in der du Schutz suchst? Dann bau dir deine Höhle. Sehnst du dich nach Aufbruch? Dann schaff dir deinen Himmel.
Ich begleite dich gerne dabei, diese emotionalen Räume in deinem eigenen GartenReich Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn du bereit bist, die Regie für dein grünes Paradies zu übernehmen und deine ganz persönlichen Lieblingsorte zu finden, lade ich dich herzlich in meinem Selbstlern-Kurs „Dein Garten-Unikat“ ein:
Lass uns gemeinsam herausfinden, welche Räume dein Leben gerade braucht. Denn dein Garten darf genau so wachsen wie du: kraftvoll, lebendig und absolut einzigartig.
Credits & Hintergrund-Wissen: Ein großes Dankeschön geht an meine Mentorin Ulla Schuch, bei der ich die Arbeit mit den Archetypen kennen- und lieben gelernt habe.
Das Konzept der sieben räumlichen Archetypen basiert ursprünglich auf der Arbeit der Landschaftsarchitektin Julie Moir Messervy, die diese Formen als psychologisches Werkzeug für die Gartengestaltung entwickelt hat.




Dieser Beitrag hat einen Kommentar
Hej! So inspirierend, danke! Man spürt förmlich die Magie der verschiedenen Garten-Archetypen! Liebe Grüße, Cindy