Die Klimakrise ist groß – und unser Garten vermeintlich klein. Doch er kann ein Ort sein, an dem wir ins Handeln kommen. Wenn wir Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere schaffen, sehen wir oft schon nach kurzer Zeit, wie neues Leben einzieht. Diese unmittelbare Erfahrung macht Mut. Sie zeigt, dass jeder Schritt zählt, auch wenn er noch so klein ist.

In diesem Sommer habe ich an einer Veranstaltung im ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung) in Brandenburg teilgenommen. Das ZEGG ist eine Gemeinschaft, die seit über 30 Jahren erprobt, wie ein anderes Leben in der Praxis aussehen kann – mit Ökologie, ehrlichem Miteinander und einer bewussten Beziehungskultur als Grundlage. Dort sprach Dirk Adams, Trainer und Organisationsentwickler, in einem Vortrag darüber, wie wir in der Klimakrise oft unbewusst in bestimmte Muster fallen, die uns vom Handeln abhalten. Vieles davon lässt sich nicht nur auf große politische Prozesse übertragen, sondern auch auf das, was wir im eigenen Garten tun oder eben nicht tun.
Was ist das ZEGG?
Das ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung) ist eine Gemeinschaft in Bad Belzig, Brandenburg, die seit 1991 erprobt, wie ein anderes Leben in der Praxis aussehen kann. Über 100 Menschen leben dort dauerhaft zusammen, wirtschaften gemeinsam und betreiben ein Bildungszentrum. Das Gelände wird ökologisch bewirtschaftet. Der Fokus liegt auf Ökologie, sozialer Gerechtigkeit und neuen Organisationsformen – und auf der Frage, wie tiefes, ehrliches Miteinander zwischen Menschen gelingen kann. Das ZEGG-Forum, eine eigene Kommunikationsmethode für offene Aussprache in Gruppen, ist dabei ein zentrales Werkzeug. Dirk Adams lebt seit 2011 im ZEGG und arbeitet dort als Trainer, Berater und Organisationsentwickler.
Warum wir oft nicht ins Handeln kommen
Aktuelle Einschätzungen des Stockholm Resilience Centre zeigen eine klare Entwicklung. Sechs von neun planetaren Grenzen sind bereits überschritten. Eine Analyse vom September 2024 deutet darauf hin, dass auch die siebte Grenze, die Ozeanversauerung, bald folgen könnte. Diese Grenzen markieren den sicheren Handlungsraum für die Menschheit.
Solche Nachrichten rufen oft Angst, Trauer oder Wut hervor. Um das nicht spüren zu müssen, greifen viele Menschen zu unbewussten Strategien. Dirk Adams benennt hierfür klare Muster:
- Verdrängung: Wir tun so, als gäbe es das Problem nicht.
- Omnipotenz und Entwertung: Wir glauben, alles im Griff zu haben, und reden andere Lösungen klein.
- Isolierung: Wir ziehen uns innerlich oder äußerlich zurück.
- Rationalisierung: Wir erklären alles rein sachlich und blenden Gefühle aus.
- Fetischisierung: Wir halten uns an einzelnen Symbolen oder Aktionen fest, um die Komplexität zu vermeiden.
- Verschiebung: Wir lenken den Blick auf weniger bedrohliche Themen.
- So tun als ob: Wir täuschen Aktivität vor, ohne wirksame Schritte zu gehen.
- Rückzug und Apathie: Wir verfallen in Passivität.
- Gleichgültigkeit zwischen den Generationen: Wir schieben die Verantwortung auf andere.
Sich diese Muster bewusst zu machen, ist der erste Schritt, um sie zu durchbrechen.
Wandel als Prozess – vom Festhalten zur Erneuerung
Dirk Adams stellte den „Zyklus des Wandels“ vor. Dieser verläuft von der Rigiditätsfalle über Freisetzung, Reorganisation und Wachstum bis zur Erhaltung. Gesellschaftlich wie individuell stecken wir oft im Festhalten – in der Rigiditätsfalle. Doch wenn wir bereit sind, alte Muster loszulassen, öffnet sich der Weg zu kreativen Lösungen.

Im Garten kann das ganz konkret bedeuten:
- Statt einer monotonen Rasenfläche legst du eine Wildblumenwiese an.
- Statt steriler Hecken pflanzt du einen blühenden, artenreichen Saum.
- Du entsiegelst befestigte Flächen und bepflanzt sie standortgerecht.
Solche Veränderungen bringen nicht nur Vielfalt zurück, sondern auch ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Du erlebst direkt, wie dein Handeln wirkt. Und das ist so ermutigend!


Sechs Bereiche, in denen wir aktiv werden können
Damit wir nicht in Verzweiflung oder Rückzug verharren, braucht es konkrete Ansatzpunkte. Dirk Adams nennt sechs Gestaltungsbereiche, um im Großen wie im Kleinen aktiv zu werden:
- Bewusstseins- und Sinneswandel: Gefühle zulassen, über sie sprechen und sie kreativ ausdrücken.
- Liebe: Mitgefühl für sich selbst, andere und die Erde pflegen.
- Gemeinschaftliches Miteinander: Orte schaffen, an denen Vertrauen und Unterstützung wachsen.
- Vernetzung und Solidarität: Sich mit Menschen zusammenschließen, die ähnliche Ziele haben.
- Ganzheitliche Bildung und Digital Detox: Wissen erweitern und Überreizung vermeiden.
- Strukturelle und gesellschaftliche Ansätze: Systeme hinterfragen und mitgestalten.
Im eigenen Garten lässt sich vieles davon direkt umsetzen. Wie du konkret Lebensräume für Insekten und andere Tiere schaffst, zeige ich dir in meinem Artikel Tiere im Garten: Warum Reh, Salamander & Co. das bessere Gartenprogramm sind. Wer Bestäuber gezielt fördern möchte, findet im Artikel Nektarbar für Nachtfalter: Warum wir mehr Punks im Garten brauchen einen guten Einstieg. Und wer den Schritt hin zu mehr Wildheit im Garten wagen will, dem empfehle ich Garten-Trends 2026: Warum „wild & weise“ das neue Perfekt ist.
Ein Blick nach Ecuador – und zu uns
Ein ermutigendes Beispiel kommt aus Ecuador. Die dortige Verfassung schreibt im Artikel 1 das Anrecht auf ein gutes Leben fest. Dieses Recht umfasst nicht nur die Würde des Menschen, sondern auch das Wohlergehen der Natur und aller Lebewesen.
Für uns heißt das: Unser gutes Leben hängt davon ab, wie wir mit der Erde umgehen. Wir können schon heute im eigenen Garten damit anfangen. Dein Garten ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern ein aktiver Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft.
Was ist dein nächster Schritt im Garten? Teile deine Ideen oder starte noch heute mit einer kleinen Veränderung.



